Perspektive des Landesjagdverbandes Thüringen
Der Waldzustandsbericht 2025 für Thüringen zeigt eine leichte Erholung der Wälder nach mehreren extrem belastenden Jahren. Der Anteil gesunder Bestände ist gestiegen, der Schadholzanfall – insbesondere bei der Fichte – deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig bleibt ein hoher Anteil der Wälder geschwächt und klimatisch anfällig.
Einordnung aus jagdlicher Sicht
Aus Sicht des Landesjagdverband Thüringen ist diese Entwicklung differenziert zu betrachten:
Wald ist ein dynamisches Ökosystem
Der Wald war zu keiner Zeit ein statisches System. Er ist über Jahrhunderte gewachsen – mal schneller, mal langsamer; mal mit höherem, mal mit geringerem Wildbestand. Wiederkäuende Wildarten wie Reh-, Rot- oder Damwild gehören seit jeher zum Ökosystem Wald und sind natürlicher Bestandteil waldbaulicher Prozesse.
Verbiss ist nicht per se Waldschaden
Wildverbiss ist ein natürlicher Einflussfaktor. Er wird erst dort problematisch, wo waldbauliche Zielsetzungen (z. B. bestimmte Baumartenmischungen oder Naturverjüngung) stark von wirtschaftlichen oder klimatischen Erwartungen geprägt sind. Jagd kann regulierend wirken – sie ersetzt jedoch nicht waldbauliche Konzepte, Standortwahl oder klimaangepasste Baumartenwahl.
Ursachen differenziert betrachten
Die Hauptursachen der großflächigen Waldschäden der letzten Jahre waren Hitze, Trockenheit, Stürme und Borkenkäfer. Diese Faktoren sind primär klimabedingt. Eine einseitige Zuschreibung an zu hohe Wildbestände greift zu kurz und wird der Komplexität des Waldzustands nicht gerecht.
Jagd als Teil der Lösung
Der Landesjagdverband betont die Verantwortung der Jägerschaft für angepasste Wildbestände im Einklang mit den Lebensraumkapazitäten. Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Waldverjüngung und Wilddichte – nicht ideologisch, sondern revierbezogen und praxisnah.
Rehwildbejagung im Frühjahr – was bringt sie wirklich?
Im Zusammenhang mit Forderungen nach intensiverer Bejagung – etwa durch Frühjahrsjagd – lohnt der Blick auf wissenschaftliche Untersuchungen. Ein Beitrag in der AFZ-Wald („Nützt die Apriljagd der Rehwildbejagung?“) mit Erkenntnissen aus Rheinland-Pfalz kommt zu einem differenzierten Ergebnis:
- die bloße Verlängerung oder Vorverlagerung der Jagdzeit führt nicht automatisch zu einer nachhaltigen Bestandsreduktion
- entscheidend ist die Einbindung in ein abgestimmtes wildökologisches Gesamtkonzept (Monitoring, Revierstruktur, Lebensraumqualität)
- ohne klare Zieldefinition und konsequente Umsetzung bleiben Effekte begrenzt
Waldzustandsbericht 2025 im jagdlichen Kontext – Fazit
Der Waldzustandsbericht 2025 zeigt: Der Thüringer Wald ist geschwächt, aber keineswegs „am Ende“. Er reagiert – wie in seiner gesamten Geschichte – auf klimatische und ökologische Veränderungen.
Aus jagdlicher Sicht gilt:
- Waldentwicklung ist ein langfristiger Prozess
- Wild gehört integrativ zum Ökosystem
- Nachhaltige Jagd bedeutet Verantwortung für stabile Wildbestände und für lebensfähige, strukturreiche Wälder
Der Wald ist schon immer gewachsen – in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und unter wechselnden Wilddichten. Entscheidend ist heute nicht die Schuldfrage, sondern das gemeinsame Handeln von Waldbesitz, Forst und Jägerschaft, um klimaresiliente, vielfältige und dauerhaft tragfähige Waldökosysteme zu sichern.