Jagd und Artenschutz: Fachveranstaltung in Jena

Jagd und Artenschutz: Fachveranstaltung in Jena diskutiert Zukunft der Jagd

Jena, März 2026. Bei der Fachveranstaltung „Jagd und Artenschutz“ diskutierten Wissenschaftler, Jäger und Naturschutzexperten über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Jagd in Deutschland. Im Mittelpunkt standen Themen wie Wildtiermanagement, Lebensraumverbesserung, Biodiversität, Prädatorenmanagement und die gesellschaftliche Rolle der Jagd.

Die Tagung machte deutlich: Die Jagd steht heute zwischen traditioneller Hege, modernen Anforderungen des Wildtiermanagements und steigenden Erwartungen von Gesellschaft, Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wildtierökologie

Mehrere Vorträge beschäftigten sich mit der Frage, wie Wildtiere ihren Lebensraum nutzen und welche Auswirkungen menschliche Nutzung auf ihr Verhalten hat.

Matthias Neumann vom Thünen-Institut für Waldökosysteme präsentierte Ergebnisse aus Telemetriestudien unter dem Titel:

„Grenzen im Lebensraum von Wildtieren – Beispiele aus Telemetriestudien“

Die Studien zeigen, dass Wildtiere ihre Lebensräume sehr sensibel auf Störungen, Infrastruktur und Landschaftsstrukturen reagieren. Für viele Arten sind daher Ruhezonen, Wanderkorridore und störungsarme Rückzugsräume entscheidend.

Auch langfristige Wildtiermonitoringprogramme, etwa beim Feldhasen, liefern wichtige Daten zur Entwicklung von Populationen und helfen, jagdliche Maßnahmen wissenschaftlich zu fundieren.

Lebensraumverbesserung als Schlüssel für den Artenschutz

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf Maßnahmen zur Förderung von Niederwildarten in der Agrarlandschaft.

Besonders hervorgehoben wurde das Niederwildkooperationsprojekt „Wilde Feldflur“, bei dem Jäger gemeinsam mit Landwirten und weiteren Landnutzern Lebensräume verbessern.

Ziel des Projekts ist es,

  • die Lebensbedingungen für Feldhase und Rebhuhn zu verbessern
  • Biodiversität in der Agrarlandschaft zu fördern
  • und nachhaltige Wildbestände zu sichern.

Solche Projekte zeigen, dass Jägerinnen und Jäger aktiv zum praktischen Naturschutz und zur Landschaftspflege beitragen.

Jagd am Scheideweg: Zwischen Management und Schädlingsbekämpfung

Ein besonders intensiv diskutierter Vortrag kam von Dr. Christine Miller.

Unter dem Titel
„Zwischen Management und Schädlingsbekämpfung – Jagd am Scheideweg“
beleuchtete sie die gesellschaftliche Rolle der Jagd.

Dabei stellte sie eine zentrale Frage: Ist Jagd heute noch Hege – oder nur noch Schädlingsbekämpfung im Auftrag von Forst und Landwirtschaft?

Zwischen steigenden Wildbeständen, wirtschaftlichem Druck und wachsenden Ansprüchen an Tier- und Naturschutz steht die Jagd zunehmend unter Rechtfertigungsdruck.

Der traditionelle Jäger als Heger des Wildes entwickelt sich vielerorts zum Bestandsmanager – manchmal sogar zum Problemlöser mit Büchse.

Die Diskussion zeigte deutlich, dass die Jagd heute stärker denn je im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlicher Erwartung steht.

Die zentrale Frage bleibt:

Verteidigt die Jagd noch ihre eigenen Werte – oder erfüllt sie nur noch fremde Erwartungen?

Jagd zwischen Tradition und moderner Verantwortung

Neben wissenschaftlichen Beiträgen wurden auch ethische und rechtliche Aspekte der Jagd diskutiert.

Internationale Umweltabkommen, neue Anforderungen des Naturschutzes sowie moderne Technologien verändern die Rahmenbedingungen der Jagd. Gleichzeitig bleibt die Weidgerechtigkeit das zentrale Leitbild der Jagdausübung.

Der Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen, Ludwig Gunstheimer, betonte die Bedeutung des fachlichen Dialogs:

„Der Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Naturschutz ist entscheidend für die Zukunft der Jagd. Nur gemeinsam können wir Lösungen entwickeln, die sowohl dem Wild als auch unserer Kulturlandschaft gerecht werden.“

Jagd als Teil einer nachhaltigen Kulturlandschaft

Die Fachveranstaltung zeigte deutlich, dass Jagd und Naturschutz keine Gegensätze sind.
Vielmehr ist die Jagd ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Wildtierbewirtschaftung und Landschaftspflege.

Durch Lebensraumverbesserung, Monitoringprogramme, verantwortungsvolle Bejagung und Kooperation mit Landnutzern leisten Jägerinnen und Jäger einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Dank an die Organisatoren

Der Landesjagdverband Thüringen bedankt sich ausdrücklich bei den Organisatoren um Karsten Schmidt sowie der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e. V. für die Vorbereitung und Durchführung dieser wichtigen Fachveranstaltung.

Mit großem Engagement haben sie eine Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Jagdpraxis und Naturschutz geschaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur sachlichen Diskussion über die Zukunft der Jagd geleistet

2. Bild Jagd und Artenschutz: Fachveranstaltung in Jena
Bilder von der Jagd und Artenschutz: Fachveranstaltung in Jena
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