Das Podium 35. Landesjägertag in Niederorschel:

Abschlußbericht 35. Landesjägertag Niederorschel

35. Landesjägertag in Niederorschel: Deutliche Unterstützung für Verbandsführung und klare Forderungen für eine praxisnahe Jagdpolitik

Niederorschel. Mit klaren Botschaften zur Zukunft der Jagd, einer starken Unterstützung für die Verbandsführung und einem Bekenntnis zu Wildtiermanagement, Naturschutz und Ehrenamt ist der 35. Landesjägertag des Landesjagdverbandes Thüringen (LJV) in Niederorschel zu Ende gegangen.

Vor Delegierten sowie Gästen aus Politik, Verwaltung und Verbänden machte LJV-Präsident Ludwig Gunstheimer deutlich, dass Jagd weit mehr sei als die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Sie sei aktiver Naturschutz, gelebte Verantwortung für Wildtiere und ein unverzichtbarer Bestandteil des ländlichen Raums.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Thüringer Jagdordnung von 1926 erinnerte Gunstheimer an die Weitsicht früherer Jagdgesetzgebung. Die Grundsätze von Nachhaltigkeit, Hege und Verantwortung für Wildtiere hätten bis heute nichts an Aktualität verloren. Der Landesjagdverband sprach sich deshalb für langfristig verlässliche, fachlich fundierte und möglichst ideologiefreie gesetzliche Rahmenbedingungen aus. Gleichzeitig kritisierte der Verband die zunehmende Bürokratisierung jagdlicher und naturschutzfachlicher Regelungen, die notwendige Anpassungen häufig erschwere oder verzögere.

Thüringer Jägerschaft als wichtiger Partner im Naturschutz

Auch Thüringens Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten, Tilo Kummer, würdigte die Leistungen der Jägerinnen und Jäger ausdrücklich. Er bezeichnete die Jägerschaft als wichtigen Partner in der Fläche und im praktischen Naturschutz.

Besonderen Dank richtete der Minister an die zahlreichen Jägerinnen und Jäger, die sich zu Rissgutachtern haben ausbilden lassen. Sie sorgten mit ihrer Fachkompetenz für belastbare Bewertungen und valide Daten im Umgang mit Wildtierrissen und leisteten damit einen wichtigen Beitrag für sachliche und faktenbasierte Entscheidungen.

Mit Blick auf das aktuelle Wolfsgeschehen sprach Kummer auch die Situation rund um das Ohrdrufer Wolfsrudel an. Die dort beobachteten Risse an großen Huftieren seien nicht hinnehmbar. Das angelernte Rissverhalten dürfe sich nicht in andere Regionen Thüringens ausbreiten. Die betreffenden Wölfe dürften dieses Verhalten weder in die Fläche tragen noch die Region verlassen. Hier seien geeignete Managementmaßnahmen erforderlich.

Darüber hinaus kündigte der Minister an, die ASP-Prämie langfristig absichern zu wollen. Die Jägerschaft leiste bei der Prävention und Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz von Wild- und Nutztieren.

Landesjagdverband fordert praktikables Wolfsmanagement

Mit Blick auf die wachsende Wolfspopulation erneuerte der Landesjagdverband seine Forderung nach einem praxisnahen Wolfsmanagement. Die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht müsse mit klaren Zuständigkeiten und wirksamen Handlungsmöglichkeiten verbunden werden. Gleichzeitig würdigte Präsident Gunstheimer die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Wolf-Biber-Luchs sowie den zuständigen Behörden.

Ehrenamt zeigt Wirkung: Mehr als 100 Rehkitze gerettet

Welchen konkreten Beitrag die Thüringer Jägerschaft für den Tierschutz leistet, zeigt die drohnenbasierte Rehkitzrettung. Bereits in den ersten Wochen der diesjährigen Saison konnten mithilfe moderner Technik mehr als 100 Rehkitze vor dem Tod durch landwirtschaftliche Mäharbeiten bewahrt werden.

Der Landesjagdverband dankte den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie Bund und Land für die Unterstützung dieses erfolgreichen Projekts. Die Rehkitzrettung ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie moderne Technik und ehrenamtliches Engagement zum Schutz heimischer Wildtiere beitragen können.

Mehr Jagdruhe und stärkere Orientierung an der Wildbiologie

Der Landesjagdverband erneuerte auf dem Landesjägertag seine Forderungen nach einer stärkeren Berücksichtigung wildbiologischer Erkenntnisse in jagdpolitischen Entscheidungen. Dazu gehören eine Jagdruhe ab dem 31. Dezember, der Verzicht auf Nachtjagd in den Wäldern des Freistaates, Jagdeinschränkungen an Wildäsungsflächen sowie der Ausbau von Wildruhezonen.

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, Wildtiere vor unnötigen Störungen zu schützen und eine nachhaltige, weidgerechte Jagdausübung sicherzustellen. Der Verband sprach sich zugleich gegen eine pauschalisierte Ausweitung der Frühjahrsbejagung von Reh- und Rotwild aus. Nicht die größtmögliche Effizienz der Bejagung dürfe Maßstab sein, sondern die Orientierung an den biologischen Bedürfnissen der jeweiligen Wildart.

Jagd als gelebter Naturschutz

Als anerkannter Naturschutzverband bekräftigte der Landesjagdverband seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzorganisationen. Als positives Beispiel wurde das gemeinsame Luchsprojekt mit WWF und BUND genannt, das auf Transparenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit setzt.

Erfolgreich entwickelt sich auch das bundesweit beachtete Niederwildprojekt „Wilde Feldflur“, das gemeinsam mit dem Deutschen Jagdverband, der Stiftung Lebensraum Thüringen und dem Thüringer Umweltministerium umgesetzt wird und inzwischen verlängert wurde.

Kritik an Windkraft im Wald

Der Landesjagdverband bekräftigte seine kritische Haltung gegenüber Windenergieanlagen in Waldgebieten. Naturschutz bedeutet auch, sensible Waldökosysteme und insbesondere den Waldboden als bedeutenden Wasser- und Kohlenstoffspeicher zu schützen. Die Ausweisung großflächiger Windenergie-Vorranggebiete in Waldgebieten wird deshalb weiterhin kritisch bewertet.

Jagd bleibt bedeutender Wirtschafts- und Versorgungsfaktor

Neben ihrer Bedeutung für Natur- und Artenschutz bleibt die Jagd auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Thüringen. Jährlich werden rund 1.500 bis 1.600 Tonnen hochwertiges Wildbret erzeugt und regional vermarktet. Darüber hinaus profitieren zahlreiche Unternehmen der Jagd- und Ausrüstungsbranche sowie das traditionelle Büchsenmacherhandwerk von einer lebendigen Jagdkultur.

Deutliche Zustimmung für die Verbandsführung

Neben den fachpolitischen Themen standen auf dem Landesjägertag auch wichtige Personalentscheidungen an. Die Delegierten bestätigten Präsident Ludwig Gunstheimer mit einer deutlichen Mehrheit erneut im Amt und würdigten damit seine bisherige Arbeit sowie den eingeschlagenen Kurs des Verbandes.

Ebenfalls mit einer dominanten Mehrheit wurde Jörg Rathemacher zum neuen Schatzmeister des Landesjagdverbandes Thüringen gewählt. Er tritt die Nachfolge von Bernd Kiesewalter an, der dieses Amt mehr als zwanzig Jahre lang ehrenamtlich ausgeübt und die finanzielle Entwicklung des Verbandes nachhaltig geprägt hat.

Die Delegierten und der Vorstand dankten Bernd Kiesewalter für sein außergewöhnliches Engagement und seine langjährige, verlässliche Arbeit im Dienst der Thüringer Jägerschaft. Mit den klaren Wahlergebnissen sieht sich der Landesjagdverband personell und organisatorisch gut aufgestellt, um die kommenden Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Landesjagdverband startet eigene App

Ein weiterer Höhepunkt des 35. Landesjägertages war die offizielle Vorstellung der neuen LJV-Thüringen-App. Mit ihrem Start gehört der Landesjagdverband Thüringen bundesweit zu den ersten Landesjagdverbänden, die ihren Mitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit eine eigene digitale Plattform für Information, Kommunikation und Service anbieten.

Die App bündelt aktuelle Nachrichten aus dem Verband, Informationen zu Veranstaltungen, Fortbildungen und Terminen sowie wichtige Mitteilungen an die Mitglieder. Über Push-Nachrichten können relevante Informationen künftig schnell und unkompliziert direkt auf das Smartphone übermittelt werden.

Darüber hinaus bietet die Anwendung einen einfachen Zugang zu Dokumenten, Ansprechpartnern, Verbandsinformationen sowie aktuellen Themen rund um Jagd, Natur- und Artenschutz. Auch für die Öffentlichkeit schafft die App einen direkten Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Leistungen der Thüringer Jägerschaft.

Vorgestellt wurde die neue Anwendung auf dem Landesjägertag durch den Mitarbeiter der LJV-Geschäftsstelle, Silvio Anders, sowie Frank Werneburg von der Jägerschaft Arnstadt.

LJV-Präsident Ludwig Gunstheimer würdigte in diesem Zusammenhang ausdrücklich das Engagement von Frank Werneburg, der gemeinsam mit Hartmut Kehr vom Webseitenservice Thüringen und Silvio Anders die Entwicklung und Umsetzung der App maßgeblich vorangetrieben hat.

„Mit der neuen App schaffen wir eine moderne Kommunikationsplattform für unsere Mitglieder und stärken die Verbindung zwischen Landesjagdverband, Jägervereinigungen und Jägerschaft im gesamten Freistaat“, betonte Gunstheimer. Sein besonderer Dank gelte Frank Werneburg, Hartmut Kehr und Silvio Anders für ihren Einsatz, ihre Ideen und die vielen Stunden Arbeit, die in die Entwicklung des Projekts geflossen sind.

Mit der neuen App setzt der Landesjagdverband Thüringen seinen Weg einer modernen, serviceorientierten und digitalen Verbandsarbeit konsequent fort.

Optimistischer Blick nach vorn

Nach der wirtschaftlichen Neuaufstellung des Verbandes und der erfolgreichen Weiterentwicklung zahlreicher Projekte zog der Landesjagdverband eine positive Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres. Der Verband kündigte an, sich weiterhin konstruktiv in politische Entscheidungsprozesse einzubringen, Fehlentwicklungen offen anzusprechen und die Interessen von Jagd, Naturschutz und ländlichem Raum engagiert zu vertreten.

Die deutlichen Wahlergebnisse, die erfolgreiche Einführung neuer digitaler Angebote sowie die Vielzahl ehrenamtlicher Projekte zeigen, dass der Landesjagdverband Thüringen gut aufgestellt ist, um die Herausforderungen der kommenden Jahre zu bewältigen.

„Wir wollen auch künftig etwas bewegen – für die Jagd, für die Natur und für die Menschen im ländlichen Raum“, fasste Präsident Ludwig Gunstheimer die Zielsetzung des Verbandes zum Abschluss des 35. Landesjägertages zusammen.