Stellungnahme zum TA Bericht Raubwildjagd

Stellungnahme zum TA Bericht Raubwildjagd

Zur Diskussion um die Auswirkungen der Fuchsbejagung

Stellungnahme zum TA Bericht Raubwildwoche: Im Zusammenhang mit der TA Berichterstattung (Kritik an Raubwildjagd im Weimarer Land: „Wir können nicht alles ausrotten, was uns vermeintlich schadet“) vom 12.02.26 über die Raubwildjagd im Weimarer Land wurde Seitens Silvester Tamas vom NABU Thüringen die These geäußert, eine gezielte Bejagung des Fuchses führe zu einer erhöhten Reproduktionsrate und letztlich zu steigenden Beständen. Diese pauschale Darstellung bedarf aus Sicht des Landesjagdverbandes Thüringen einer fachlichen Einordnung.

Die Fruchtbarkeit einer Füchsin ist in erster Linie vom Ernährungszustand, vom Gesundheitszustand sowie vom Alter abhängig. Sie bewegt sich innerhalb einer genetisch vorgegebenen Bandbreite. Durchschnittlich bringt eine Füchsin vier bis sechs Welpen zur Welt; größere Würfe sind die Ausnahme (Goretzki & Paustian 1982; Börner 2014). Die Jagd hat keinen direkten Einfluss auf diese biologische Grundlage. Entscheidend für die Populationsentwicklung ist vielmehr das Zusammenspiel aus Geburtenrate, Jungtiersterblichkeit und allgemeiner Mortalität. In Mitteleuropa zählen Straßenverkehr und Jagd zu den wesentlichen Todesursachen beim Fuchs (Labhardt 1996; Stiebling 2000).

Zwar verfügen Füchse über ein flexibles Sozialgefüge. In sehr hohen Populationsdichten – insbesondere in urbanen Lebensräumen – kann es zu einer sozialen Geburtenhemmung kommen, bei der nicht alle Weibchen reproduzieren (Börner 2014). Diese Form der innerartlichen Regulation setzt jedoch erst bei sehr hohen Bestandsdichten ein und führt nicht automatisch zu einer ökologisch verträglichen Dichte – insbesondere nicht in intensiv genutzten Kulturlandschaften.

Unstrittig ist, dass die intensive Landnutzung eine wesentliche Ursache für den Rückgang vieler Arten darstellt. Gleichzeitig belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, dass Prädation in strukturarmen Agrarlandschaften zu einem entscheidenden Faktor für den Bruterfolg bodenbrütender Vogelarten werden kann. Literaturauswertungen zeigen, dass in der überwiegenden Zahl von Räuberausschlussexperimenten Bodenbrüter und Feldhase höhere Überlebensraten aufweisen (Meinecke & Voigt 2009). Langgemach & Bellebaum (2005) kommen in ihrer Synopse zu dem Ergebnis, dass insbesondere der Fuchs in bestimmten Lebensräumen erheblichen Einfluss auf Wiesenbrüter haben kann. Auch Frey & Conover (2010) weisen nach, dass eine Reduktion der Prädatorendichte den Bruterfolg messbar steigern kann.

Vor diesem Hintergrund ist die Bejagung von Raubsäugern ein Baustein im integrativen Artenschutz – neben Lebensraumverbesserung, Monitoring und agrarstrukturellen Maßnahmen. Sie ersetzt diese nicht, kann sie aber wirksam ergänzen.

Dass nachhaltiger Artenschutz nur im Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen funktioniert, zeigt beispielhaft das Projekt „Wilde Feldflur“ in Kooperation mit dem Landesjagdverband Thüringen e.V., der Stiftung Lebensraum Thüringen und dem DJV. Dort werden Lebensraumaufwertung, Strukturvielfalt, Kooperation mit der Landwirtschaft sowie angepasstes Prädationsmanagement miteinander verzahnt. Erste Ergebnisse verdeutlichen, dass nur ein ganzheitlicher Ansatz tragfähig ist.

In diesem Zusammenhang ist auch auf Äußerungen der vergangenen Wochen in Thüringer Medien einzugehen, in denen Herr Silvester Tamas die These vertreten hat, „wo der Wolf jagt, wächst der Wald“. Diese verkürzte Darstellung greift eine häufig zitierte Vorstellung sogenannter trophischer Kaskaden auf, wie sie im Zusammenhang mit dem Yellowstone National Park diskutiert wurde. Selbst dort ist die behauptete unmittelbare Verbesserung des Waldwachstums durch die Anwesenheit des Wolfs wissenschaftlich inzwischen deutlich differenzierter zu bewerten.

Für dicht besiedelte und intensiv genutzte Kulturlandschaften wie Thüringen existieren bislang keine belastbaren Nachweise dafür, dass die bloße Präsenz des Wolfs automatisch zu einer Verbesserung der Waldentwicklung führt. Waldwachstum wird maßgeblich durch standörtliche Bedingungen, Baumartenwahl, waldbauliche Konzepte, Klimafaktoren sowie das gesamte Wildtiermanagement beeinflusst. Komplexe ökologische Zusammenhänge lassen sich nicht auf plakative Formeln reduzieren.

Der Landesjagdverband Thüringen steht für einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten Diskurs. Weder beim Fuchs noch beim Wolf helfen vereinfachende Narrative weiter. Verantwortungsvolles Wildtiermanagement bedeutet, ökologische Wechselwirkungen realistisch zu bewerten und die Belange von Arten-, Natur- und Kulturlandschaftsschutz ausgewogen zu berücksichtigen.

Wolf

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