Bilder sagen mehr als … – Wolfsmonitoring im Vergleich mit unseren Nachbarn
Ein Gastbeitrag von Friedrich Noltenius (wolfzone.de)
Wie gut wissen wir eigentlich, wie sich der Wolfsbestand entwickelt? Und wie transparent werden die vorhandenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt? Ein Blick über die deutschen Grenzen zeigt erhebliche Unterschiede.
Die öffentliche Darstellung des Wolfsmonitorings in Deutschland, Belgien und Dänemark fällt bereits auf den ersten Blick sehr unterschiedlich aus. Während unsere Nachbarländer aktuelle Vorkommen, Rudelstrukturen und Reproduktion teilweise sehr detailliert darstellen, ergibt sich für Deutschland kein vergleichbar geschlossenes Bild. Friedrich Noltenius kritisiert insbesondere die lückenhafte und zeitlich verzögerte Zusammenführung der Daten auf Bundesebene.
Belgien: Rudel detailliert dokumentiert
Besonders hebt Noltenius die Wallonie hervor. Dort wurde eine umfassende Aufschlüsselung der Wolfsrudel veröffentlicht – einschließlich aktueller Welpenzahlen und, mit einer Ausnahme, der genetischen Kennungen der Elterntiere. Dadurch lassen sich auch Bezüge zu zuvor in Deutschland genetisch erfassten Wölfen herstellen.
Auch angesichts einer dynamischen Bestandsentwicklung mit jeweils zwei neuen Territorien in zwei aufeinanderfolgenden Jahren wertet der Autor diese Form der Datenerhebung und Veröffentlichung als Ausdruck professioneller und transparenter Monitoringarbeit.
Dänemark: Reproduktion sehr genau im Blick
Auch Dänemark liefert nach Darstellung des Autors bemerkenswert konkrete Daten.
Bis September seien in elf von mittlerweile 15 Territorien bereits 61 Welpen des laufenden Jahres nachgewiesen worden.
Für weitere Gebiete liefen Untersuchungen zur Reproduktion beziehungsweise zur Etablierung neuer Territorien. bilder-sagen-mehr
Seit dem ersten dokumentierten Wurf im Jahr 2017 seien in Dänemark insgesamt 181 Welpen aus 30 Würfen belegt worden. Das entspricht im Mittel etwa sechs Welpen je Wurf.
Für Belgien nennt der Autor 6,5, für Deutschland etwa vier Welpen je Wurf. Daraus leitet er insbesondere die Frage ab, welchen Einfluss die unterschiedliche Intensität und Qualität des Monitorings auf die ermittelten Zahlen hat.
Transparenz schafft Akzeptanz und Vertrauen
Der Vergleich zeigt aus Sicht des Gastautors vor allem eines: Ein belastbares Wolfsmanagement braucht eine belastbare Datengrundlage.
Je genauer Territorien, Rudel, Reproduktion und genetische Zusammenhänge dokumentiert werden, desto fundierter kann über die weitere Entwicklung des Wolfsbestandes diskutiert werden.
Noltenius kommt zu dem Schluss, dass Belgien und Dänemark Deutschland bei Qualität und Transparenz des Wolfsmonitorings voraus seien. Mit den gegenwärtigen Strukturen sei ein vergleichbarer Standard hierzulande aus seiner Sicht nur schwer zu erreichen.
Fazit des LJVT: Gute Entscheidungen brauchen gute Daten
Für den Landesjagdverband Thüringen e.V. ist der Blick über die Landes- und Staatsgrenzen besonders interessant. Unabhängig davon, wie einzelne Entwicklungen des Wolfsbestandes bewertet werden, ist eine möglichst vollständige, aktuelle und nachvollziehbare Datengrundlage Voraussetzung für eine sachliche Diskussion und ein belastbares Wolfsmanagement.
Hannes Domscheit, neuer Obmann für Großprädatoren des LJVT, erklärt dazu:
„Wenn wir die Länder miteinander vergleichen, ist insbesondere die Güte der Daten in unseren Nachbarländern beeindruckend. Dort wird teilweise sehr detailliert dokumentiert, welche Tiere zu welchen Rudeln gehören und wie sich die Reproduktion entwickelt. Für 2025 konnten beispielsweise zwei komplette Würfe genotypisiert werden. Genau diese Qualität brauchen wir auch bei uns: Je besser unsere Daten sind, desto fundierter können wir Bestandsentwicklung und Wanderbewegungen beurteilen und daraus die richtigen fachlichen Schlüsse für das Wolfsmanagement ziehen.“
Für den LJVT steht deshalb fest:
Wolfsmonitoring darf nicht nur Daten sammeln. Die Ergebnisse müssen zeitnah, transparent und nachvollziehbar aufbereitet werden. Ein Blick auf Belgien und Dänemark kann dabei wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung der deutschen Monitoringstrukturen liefern.