Update Rotwild kennt keine Grenzen: Bayern und Thüringen setzen gemeinsames Zeichen für den Rotwildschutz
Nach den länderübergreifenden Fachgesprächen im vergangenen Jahr in Maria Bildhausen und Hildburghausen wurde die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Thüringen am 26. Juli in Maria Bildhausen fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand erneut die Zukunft des Rotwildes und die Sicherung eines länderübergreifenden genetischen Austausches.
Der Landesjagdverband Thüringen begrüßt ausdrücklich, dass es den beteiligten Akteuren gelungen ist, einen gemeinsamen Konsens zur zukünftigen Gestaltung eines Wanderkorridors für männliches Rotwild zwischen den Haßbergen und dem südlichen Thüringer Wald zu erzielen. Die Gleichberge und das Grabfeld bilden dabei eine zentrale Verbindung für den genetischen Austausch der Rotwildpopulationen beider Bundesländer.
Die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung des Wanderkorridors erfolgt nun in enger Abstimmung durch die zuständigen unteren Jagdbehörden in Bayern und Thüringen. Damit wird ein weiterer wichtiger Schritt für einen modernen, wildbiologisch fundierten Rotwildschutz gegangen.
Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg
Der jetzt erzielte Fortschritt ist das Ergebnis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Ministerien, Jagdbehörden, Forstverwaltungen sowie den Landesjagdverbänden beider Bundesländer. Insbesondere die enge Kooperation zwischen dem Bayerischen Jagdverband (BJV) und dem Landesjagdverband Thüringen (LJVT) hat maßgeblich dazu beigetragen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln und bestehende Ländergrenzen im Sinne des Wildes zu überwinden.
Der Landesjagdverband Thüringen freut sich dabei auf die weitere Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes, Hubert Stärker. Gemeinsam verfolgen beide Verbände das Ziel, das Rotwild als bedeutende Wildart in seiner natürlichen Lebensweise zu erhalten und die genetische Vernetzung der Populationen langfristig zu sichern.
Ein wesentlicher Bestandteil der heutigen Beratungen war zudem die gemeinsame Auswertung der bisherigen genetischen Untersuchungen der Rotwildpopulationen. Die Ergebnisse bestätigen eindrucksvoll die Bedeutung eines funktionierenden Wanderkorridors für den langfristigen Erhalt der genetischen Vielfalt.
Besonders begrüßt der Landesjagdverband Thüringen außerdem die Bereitschaft des Freistaates Bayern, bestehende jagdrechtliche Regelungen im Umgang mit unserer größten heimischen Schalenwildart weiterzuentwickeln und an aktuelle wildbiologische Erkenntnisse anzupassen. Dieser länderübergreifende Austausch zeigt, dass beide Bundesländer voneinander lernen und gemeinsam zukunftsfähige Lösungen entwickeln wollen.
Positiv hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch die in Thüringen eingeführte 4:1-Regelung beim Abschussverhältnis von weiblichem zu männlichem Rotwild außerhalb der Einstandsgebiete. Wie Rotwildexperten aus Oberbayern ausdrücklich anerkannten, ist die nun in der Thüringer Ausführungsverordnung zum Thüringer Jagdgesetz verankerte Regelung ein richtiger Schritt zur rechten Zeit, um den notwendigen genetischen Austausch künftig noch besser zu ermöglichen.
Ein Gewinn für Natur und Jagd - Gemeinsam für den Rotwildschutz
LJVT-Präsident Ludwig Gunstheimer bewertet das erzielte Ergebnis als richtungsweisend:
„Rotwild kennt keine Ländergrenzen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Jägerschaft gemeinsam mit Politik, Behörden und Forst über Verwaltungsgrenzen hinweg Verantwortung übernehmen.
Der jetzt vereinbarte Wanderkorridor ist ein großer Erfolg für den Artenschutz, die genetische Vielfalt unseres Rotwildes und eine moderne, wissenschaftlich fundierte Rotwildbewirtschaftung. Besonders freut mich, dass Bayern und Thüringen diesen Weg gemeinsam gehen und dabei bereit sind, voneinander zu lernen und bewährte Lösungen aufzugreifen.“
Der Landesjagdverband Thüringen bedankt sich ausdrücklich bei den Thüringer und Bayerischen Staatsministerien sowie den zuständigen Ministern Tilo Kummer und Hubert Aiwanger, die diesen Prozess von Beginn an unterstützt und begleitet haben.
Ein besonderer Dank gilt außerdem der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Hildburghausen für die fachliche Begleitung sowie Heiko Stölzner, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Bad Königshofen, für die hervorragende Organisation der Treffen und den konstruktiven fachlichen Austausch.
Jetzt sind die Hegeringe gefragt
Mit der nun erzielten Verständigung beginnt die praktische Umsetzung. Den Hegeringen und den Revierinhabern auf beiden Seiten der Landesgrenze kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Sie werden den Wanderkorridor in den kommenden Monaten mit Leben füllen und die gemeinsam entwickelten Maßnahmen vor Ort begleiten.
Der Landesjagdverband Thüringen sieht in diesem länderübergreifenden Projekt ein beispielhaftes Signal dafür, wie erfolgreicher Natur- und Artenschutz gelingen kann: durch Dialog, wissenschaftliche Erkenntnisse und die enge Zusammenarbeit von Jagd, Forst, Behörden und Politik.
Denn eines ist klar: Rotwild kennt keine Grenzen – und erfolgreicher Wildtierschutz sollte sie ebenfalls nicht kennen.