Jagdethik braucht Haltung – DJV und LJVT ziehen an einem Strang
Jagdethik braucht Haltung-DJV und LJVT gemeinsam. Die jüngsten tödlichen Jagdunfälle bei der Nachtjagd haben die gesamte Jägerschaft erschüttert. Sie machen deutlich, dass die Diskussion über moderne Jagdtechnik, Ausbildung und jagdethische Grenzen keine theoretische Debatte ist, sondern unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit von Mensch und Tier sowie auf die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd hat.
Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Jagdverband (DJV) im Rahmen des Bundesjägertages in Suhl unter dem Motto „Kompetenz im Revier – Ethik im Handeln“ sein neues Positionspapier zur Jagdethik intensiv diskutiert. Das Papier wurde anschließend von den Delegierten der Landesjagdverbände verabschiedet und setzt ein deutliches Zeichen: Jagd ist untrennbar mit Verantwortung, Waidgerechtigkeit und Selbstbeschränkung verbunden. Moderne Technik kann die Jagd unterstützen, darf aber niemals die ethischen Grundsätze, das eigene Urteilsvermögen und die jagdliche Erfahrung ersetzen.
Die aktuelle Debatte um Jagdethik, Sicherheit und den Einsatz moderner Technik sollte zugleich genutzt werden, um die Regelungen des Bundesjagdgesetzes mit Blick auf Ausbildung und Qualifizierung in den Blick zu nehmen. Dabei stellt sich die Frage, ob bestimmte Standards in Ausbildung, Prüfung und Fortbildung künftig stärker bundesweit harmonisiert werden sollten. Angesichts der zunehmenden technischen Möglichkeiten und der gestiegenen Anforderungen an die Jagdausübung kann ein Austausch über gemeinsame Qualitäts- und Sicherheitsstandards einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die hohe Kompetenz der Jägerschaft weiter zu stärken, Unfallrisiken zu minimieren und die Grundsätze der Waidgerechtigkeit nachhaltig zu sichern.
Der Landesjagdverband Thüringen (LJVT) hat diese Entwicklung bereits frühzeitig aufgegriffen. Schon im Märzheft des Thüringer Jägers haben wir mit unserem Beitrag „Zwischen Technikrausch und Waidgerechtigkeit – Warum die Zunahme von Nachtjagd-Unfällen ein Weckruf für uns alle ist“ vor den Risiken einer unkritischen Technisierung der Jagd gewarnt und konkrete Lösungsansätze vorgestellt.
Unsere damalige Botschaft hat heute nichts an Aktualität verloren: Jagd darf nicht zum technisierten Dauerbetrieb werden. Sie braucht Maß, Besonnenheit und die Bereitschaft, sich auch dort Grenzen zu setzen, wo das technisch Machbare längst weitergeht.
Der LJVT hat deshalb bereits im Frühjahr folgende Maßnahmen angeregt:
eine verpflichtende praktische Begleitung von Jungjägerinnen und Jungjägern nach der Prüfung,
eine qualifizierte Zusatzausbildung für Nachtjagd und Wärmebildtechnik,
klare Leitlinien für den verantwortungsvollen Einsatz moderner Technik,
die stärkere Beachtung von Ruhephasen für das Wild sowie
eine Jagdkultur, die Sicherheit, Verantwortungsbewusstsein und handwerkliches Können höher bewertet als reine Streckenerfolge.
Die Forderungen des DJV-Positionspapiers bestätigen diesen Weg. Beide Verbände eint die Überzeugung, dass die Zukunft der Jagd nicht in einem unkritischen „Mehr“ an Technik liegt, sondern in einer verantwortungsvollen Verbindung von Tradition, Handwerk, Erfahrung und zeitgemäßen Möglichkeiten.
Die tragischen Ereignisse der vergangenen Monate verpflichten uns alle zur Selbstreflexion. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Betroffenen. Zugleich müssen wir die richtigen Konsequenzen ziehen. Die Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit kann nur eine Jagd sein, die sich ihrer Verantwortung bewusst bleibt, ihre ethischen Grundsätze stärkt und die Waidgerechtigkeit als unverzichtbaren Maßstab ihres Handelns begreift.
Denn Jagd ist kein Krieg und kein technischer Wettbewerb. Jagd ist ein verantwortungsvolles Handwerk – und ihre Zukunft entscheidet sich daran, ob wir bereit sind, Maß, Menschlichkeit und jagdethische Haltung auch in Zeiten rasanter technischer Entwicklungen zu bewahren.